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Betreff: Presseinformation "Stresstest bestanden: Grafschafter Katastrophenschutzübung offenbart Stärken und Schwachstellen"
Nordhorn, 12. Oktober 2026
Stresstest bestanden: Grafschafter Katastrophenschutzübung offenbart Stärken und Schwachstellen
Bereits in den frühen Morgenstunden war am vergangenen Samstag in der Grafschaft Bentheim deutlich sichtbar, dass dies kein gewöhnlicher Tag werden würde: Lange Kolonnen von Einsatzfahrzeugen verschiedenster Hilfs- und Rettungsorganisationen zogen über die Straßen, flackerndes Blaulicht erhellte die Dunkelheit. Ein Hauch von Anspannung lag spürbar in der Luft. Wenig später ertönten an verschiedenen Orten bereits Martinshörner im Minutentakt, Hubschrauber kreisten über der Niedergrafschaft. Damit war klar: Der Startschuss für die größte Katastrophenschutzübung, die die Grafschaft jemals erlebt hat, war gefallen. Unter dem Namen "Vechtekater" stellte der Landkreis als Untere Katastrophenschutzbehörde die Leistungsfähigkeit seiner Katastrophenschutzstrukturen auf die Probe - eine Gefahr für die Bevölkerung bestand dabei nicht.
So realistisch wie möglich: Drei Großschadenslagen halten Einsatzkräfte in Atem
Und dieser Stresstest hatte es in sich: Ein großflächiger Waldbrand in Itterbeck, Hochwasser in der Nordhorner Innenstadt und ein Gefahrgutunfall am Bahnhof in Bad Bentheim verlangten volle Konzentration. Etliche Einsatzkräfte aus der Grafschaft, aber auch überörtliche Kräfte aus anderen Landkreisen, zentrale Einheiten des Landes Niedersachsen, Katastrophenschutzeinheiten aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sowie niederländische Einsatzkräfte waren gefordert. Rund 1.000 Kräfte trainierten bis in den Nachmittag hinein für den Ernstfall. Beteiligt waren u. a. Feuerwehr, THW, DRK, Malteser Hilfsdienst, Johanniter, DLRG, Bundeswehr, Polizei, PSNV, die Rettungshundestaffel, CBRN-Züge und die örtliche Einsatzleitung. Folgende Großschadenslagen mussten bewältigt werden:
* Die Bekämpfung eines großflächigen Wald- und Vegetationsbrandes wurde in Itterbeck geübt. Pyrotechnik, Nebelmaschinen und lodernde Strohhaufen auf einem Feld sorgten für eine möglichst realitätsnahe Darstellung des Szenarios. Neben Bodeneinheiten kamen mehrere Hubschrauber für die Brandbekämpfung aus der Luft zum Einsatz. Ein Schwerpunkt lag auf der Koordination der Löschwasserabwürfe aus der Luft. Zudem musste ein Jugendzeltlager evakuiert werden.
* In Nordhorn sorgte ein Starkregenereignis nach einer langen Dürrephase für hochwasserähnliche Situationen im Stadtgebiet. Zahlreiche Sandsäcke mussten befüllt, per Boot über die Vechte transportiert und teils unter Wasser zu Verwallungen aufgeschichtet werden. Wenige Meter davon entfernt galt es, Personen aus einem in der Vechte versunkenen Auto zu retten und das Fahrzeug zu bergen. Taucher waren hier im Dauereinsatz. Um die Wassermassen zu bewältigen, kamen am Ölmühlenwehr Hochleistungspumpen zum Einsatz.
* Im Einsatzabschnitt Bad Bentheim wurde ein Gefahrgutunfall auf der Schiene simuliert. Hier war ein Personenzug mit einem Güterzug kollidiert. Das bedeutete: Die Fahrgäste des Personenzuges mussten evakuiert, ärztlich versorgt und teils dekontaminiert werden. Parallel dazu mussten die ausgetretenen Gefahrstoffe gesichert und das Leck abgedichtet werden - eine besondere Herausforderung für die Einsatzkräfte, die dabei ABC-Schutzanzüge trugen. Auch eine Dekontaminationsanlage wurde aufgebaut.
* Neben den 1.000 Einsatzkräften vor Ort übten im Kreishaus der Katastrophenschutzstab und die Technische Einsatzleitung zusammen mit der Informations- und Kommunikationseinheit. Bei ihnen liefen die Fäden zusammen. Rund 100 Personen waren im Kreishaus damit beschäftigt, die Übung zu steuern; parallel wurden sie an unterschiedlichen Stellen selbst beübt. Im Fokus stand hier die Frage, wie gut das Zusammenspiel von Führungs- und Verwaltungsstrukturen funktioniert. Unterstützt wurden die Kräfte durch das Kreisverbindungskommando der Bundeswehr, das aus dem Kreishaus heraus die Kräfte der Bundeswehr steuerte. Auch das Bürgertelefon des Landkreises übte nicht nur, sondern war für tatsächliche Anfragen aus der Bevölkerung freigeschaltet.
Neben offiziellen Übungsbeobachtern verfolgten 70 externe Gäste aus verschiedenen Behörden, von Feuerwehren, Rettungs- und Hilfsorganisationen sowie aus der Politik und dem Niedersächsischen Innenministerium gebannt das Übungsgeschehen. Insbesondere der Landesbranddirektor Niedersachsens, Dieter Rohrberg, zeigte sich beeindruckt von der Umsetzung und der Bandbreite der Übungsszenarien. Das imposante Geschehen lockte am Samstag auch zahlreiche Schaulustige und sogenannte Spotter an, die sich entlang der Straßen positionierten, um den besten Blick auf die Einsatzfahrzeuge zu erhaschen. Das wohl begehrteste Fotomotiv des Tages: der große Bundeswehr-Hubschrauber NH90, der für die Luftrettung und den Krankentransport eingesetzt wurde.
Gute Zusammenarbeit, aber Verbesserungsbedarf beim Funk
Ein erstes Fazit der Übung fällt positiv aus. "Wir haben die Leistungsfähigkeit des Katastrophenschutzes in der Grafschaft erfolgreich unter Beweis gestellt. Ein besonderes Augenmerk lag für uns auf der Zusammenarbeit der rund 1.000 örtlichen und überörtlichen Einsatzkräfte. Diese Zusammenarbeit hat alles in allem gut funktioniert und war sehr konstruktiv. Alle Beteiligten haben die simulierten Schadenslagen kollegial und strukturiert abgearbeitet. Die Übung hat uns gezeigt, dass wir auch über Kreis- und Landesgrenzen hinweg handlungsfähig sind", blickt Landrat Uwe Fietzek zurück.
Deutlicher Verbesserungsbedarf offenbarte sich allerdings beim Blick auf die Verständigung der Einheiten via Funk. Zeitweise war eine Verständigung über Funkkanäle nicht möglich, da das Netz zusammengebrochen war. Eine besondere Herausforderung stellte dabei die Vielzahl benötigter Funkgruppen dar. Dieses Problem konnte jedoch während der Übung schnell behoben werden. Die für die Funkkommunikation zuständige ASDN - die Autorisierte Stelle Digitalfunk Niedersachsen - hatte an der Übung selbst im Katastrophenschutzstab im Kreishaus teilgenommen und konnte direkt eingreifen. "Genau solche Erkenntnisse sind immens wichtig für uns. Wir sind dankbar für die aufgedeckten Schwachstellen. Gerade im Katastrophenfall sind belastbare und ausreichende Kommunikationsstrukturen unverzichtbar. Die aufgetretenen Probleme müssen daher genauer untersucht werden. Hier muss die ASDN nachbessern", steht für Fietzek fest.
Auswertung soll weitere Erkenntnisse liefern
Die Ergebnisse der Übungsbeobachter der drei Szenarien in Bad Bentheim, Itterbeck und Nordhorn werden nun detailliert ausgewertet. Dabei wird jedes der drei Szenarien einzeln betrachtet: Wie haben die Abläufe vor Ort funktioniert? Wo besteht Optimierungsbedarf? Waren die Einsatzkräfte und verfügbaren Ressourcen richtig eingesetzt? Ziel des Landkreises ist es, aus den Erkenntnissen weitere konkrete Maßnahmen abzuleiten und den Katastrophenschutz in der Grafschaft weiterzuentwickeln.
Dank an Einsatzkräfte
Nach Abschluss der Übung dankt der Landkreis allen Einsatzkräften, den Darstellerinnen und Darstellern, den Beobachterinnen und Beobachtern, der Übungsleitung sowie sämtlichen beteiligten Organisationen und Behörden für ihre Beteiligung und ihr Engagement. Einen besonderen Dank spricht Landrat Fietzek dem Vorbereitungsteam aus Vertreterinnen und Vertretern der Abteilung Bevölkerungsschutz unter der Leitung von Thomas Heinrich und der Projektleitung von Matthias Woltering, der Pressestelle sowie der Grafschafter Kreisfeuerwehr aus: "Eine Übung dieser Größenordnung vorzubereiten, ist selbst schon eine erhebliche Leistung und kein Selbstläufer. Insbesondere ohne das enorme Engagement von Guido Schroven und Ansgar Schwietering, dem Leiter und stellvertretenden Leiter der Kreisfeuerwehrbereitschaft, hätten wir die Übung nicht in dieser Größenordnung umsetzen können. Herzlichen Dank euch beiden für euren wirklich außergewöhnlichen Einsatz!"
Bildunterschrift 1
Am Bahnhof in Bad Bentheim wurde die Kollision eines Güterzuges mit einem Personenzug simuliert. Passagiere mussten evakuiert werden. (Foto: L
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