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Soziales

Gemeinsame Modellvorhaben in Niedersachsen ab 2026: Start für bessere pflegerische Versorgung

Auftakt durch die Landkreise Grafschaft Bentheim und Emsland mit Förderung nach § 123 SGB XI, wissenschaftlicher Begleitung und Entwicklung zu einem Gesamtkonzept

Von Redaktion LK Grafschaft Bentheim31.08.26, 14:22

In Niedersachsen starten erstmals „Gemeinsame Modellvorhaben“ für eine bessere Versorgung und Betreuung von Pflegebedürftigen sowie mehr Unterstützung für pflegende Angehörige. Den Auftakt machen die Landkreise Grafschaft Bentheim und Emsland, die vom Land Niedersachsen den Bewilligungsbescheid erhalten haben. Der Projektstart ist für den 1. September 2026 vorgesehen.

Der Niedersächsische Sozialminister Dr. Andreas Philippi begrüßte die Förderung des Case- und Care Managements in beiden Landkreisen. Nach Angaben des Ministeriums soll die neue Förderung dazu beitragen, die pflegerische Versorgung in niedersächsischen Kommunen weiterzuentwickeln. In den beiden Regionen würden unterschiedliche neue Ansätze miteinander kombiniert und zu einem Gesamtkonzept zusammengeführt. Dadurch solle die Versorgung von Pflegebedürftigen verbessert und auf mehrere Schultern verteilt werden, was auch pflegende Angehörige entlaste.

Die Förderung erfolgt auf Grundlage einer Richtlinie für „Gemeinsame Modellvorhaben“ nach § 123 SGB XI. Das Land Niedersachsen und die Pflegekassen stellen dafür gemeinsam Mittel für Projekte in ganz Niedersachsen bereit, die die Lebensqualität von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen verbessern sollen. Genannt werden dafür unter anderem die Einbindung und Stärkung von Quartiers- und Dorfgemeinschaften. Alle Projekte werden wissenschaftlich begleitet, damit Aussagen über ihre Wirksamkeit und eine mögliche Übernahme in die Regelversorgung möglich werden.

Für diese und die nächsten Jahre stellt das Land jährlich gut 2 Millionen Euro bereit. Die gesetzlichen und privaten Pflegekassen geben Mittel in gleicher Höhe dazu.

Fördermittel für Grafschaft Bentheim und Emsland

Für die Grafschaft Bentheim stehen nach Angaben der Pressemitteilung rund 785.000 Euro Fördermittel bereit, für das Emsland rund 946.000 Euro. Die Förderung läuft zunächst bis Ende 2028 und kann bis 2029 fortgeführt werden.

Die Landräte Uwe Fietzek (Grafschaft Bentheim) und Marc-André Burgdorf (Emsland) bezeichneten das Case- und Care-Management als in der Region etabliert und als Erfolgsprojekt. Die Landesförderung sei eine Anerkennung dieser Arbeit und ermögliche es, das bestehende Angebot im Rahmen eines gemeinsamen Modellvorhabens konzeptionell weiterzuentwickeln und zu erweitern.

Weitere Anträge für Gemeinsame Modellvorhaben aus anderen Teilen Niedersachsens liegen dem Land und den Pflegekassen vor und werden derzeit geprüft.

Teil der Konzertierten Aktion Pflege Niedersachsen

Die Kooperation zu den Gemeinsamen Modellvorhaben ist Teil der Konzertierten Aktion Pflege Niedersachsen (KAP.Ni). Unterstützt wird der Start außerdem durch das von der Landesvereinigung für Gesundheit betriebene Projektbüro Komm.Care, das mit Landesmitteln finanziert wird. Ziel des Projektbüros ist die Weiterentwicklung der Pflegeberichterstattung und der Einstieg in eine Versorgungsplanung in den Kommunen.

Die beiden Landkreise hatten sich nach Angaben der Mitteilung schon früh auf den Weg gemacht, die pflegerische Versorgung weiterzuentwickeln. Nach Abschluss des Projekts „Regionales Pflegekompetenzzentrum“ (ReKo) finanzierten sie in den vergangenen Jahren ein bei den Senioren- und Pflegestützpunkten angesiedeltes Casemanagement, das dezentral auf Gemeindeebene angeboten wird. Nun soll der nächste Schritt hin zu einem Gesamtkonzept gehen, das den gesamten Versorgungsbereich und die verschiedenen Akteurinnen und Akteure einbezieht.

Nach Darstellung der Landräte soll Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen künftig noch besser durch das komplexe System aus Pflege, Medizin und sozialen Unterstützungsangeboten geholfen werden. Bei schwierigen Versorgungssituationen komme es darauf an, dass Haus- und Facharztpraxen, Krankenhäuser, Sozialdienste und ehrenamtliche Unterstützungsangebote gut zusammenarbeiten und die notwendige Unterstützung aus einer Hand koordiniert werde.

Von den nun startenden Gemeinsamen Modellvorhaben sollen nach Angaben von Uwe Fietzek und Marc-André Burgdorf über 11.000 pflegebedürftige Menschen in der Grafschaft Bentheim und 25.750 Pflegebedürftige im Emsland profitieren. In beiden Landkreisen werde jeweils mehr als die Hälfte der Betroffenen zu Hause von An- und Zugehörigen ohne Unterstützung von Pflegediensten versorgt.

Inhalt des Konzepts

Die Gemeinsamen Modellvorhaben in Grafschaft Bentheim und Emsland zielen auf die Entwicklung sogenannter sorgender Gemeinschaften („Connected Caring Communities“). Ehrenamtliche Unterstützungsstrukturen sollen mit professionellen Angeboten verknüpft werden. Für die Koordination unterschiedlicher Angebote aus dem Gesundheits- und Pflegebereich erhalten Patientinnen und Patienten ein individuelles Casemanagement durch eine Expertin oder einen Experten. Ineffektive Parallelstrukturen und ein mangelnder Informationsfluss zwischen den Leistungsanbietern sollen dadurch vermieden werden.

Außerdem sollen neue Ansätze zur Gesundheitsförderung, zur Engagementförderung sowie zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf erprobt werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Digitalisierung in der Pflege. Eine spezielle Software soll den Aufbau einer Versorgungssteuerung unterstützen und den Aufbau einer integrierten Pflege- und Sozialplanung ermöglichen.

Vorgängerprojekt ReKo

Das Konzept des Case- und Care Managements wurde erstmals im Modellprojekt „ReKo“ (Regionales Pflegekompetenzzentrum) aufgebaut, erprobt und evaluiert. Dieses Projekt startete 2019 in den Landkreisen Grafschaft Bentheim und Emsland.

Initiator und Projektträger war die Gesundheitsregion EUREGIO e. V. Beteiligt waren zudem die Universität Osnabrück, die DAK Gesundheit sowie weitere regionale Partner und beide Landkreise.

Die Evaluation ergab nach Angaben der Mitteilung, dass die Beratungszahlen durch das ReKo-Projekt deutlich gestiegen waren, die Versorgung sicherer und bedarfsgerechter geworden war und viele pflegebedürftige Menschen länger zu Hause bleiben konnten.

Nach dem Auslaufen der Förderung aus dem Innovationsfonds finanzierten die Kommunen die dezentralen Casemanagement-Strukturen vorübergehend aus eigenen Mitteln.

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