Kultur

Geschichte konkret

**Neue Vortragsstaffel „Geschichte konkret“ des Historischen Vereins im Museumsquartier**

Wann
Donnerstag, 29. Oktober 2026 · 18:30 Uhr
7 Termine verfügbar
Wo
MQ4 - Museumsquartier Osnabrück · Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück
Eintritt
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Über die Veranstaltung

Ab Oktober setzen der „Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück“ und das Museumsquartier ihre gemeinsame Veranstaltungsreihe „Geschichte konkret“ über den Jahreswechsel 2026/27 fort. In wissenschaftlich fundierten Vorträgen werden der Öffentlichkeit über das Jahr historische Aspekte der Stadt und Region Osnabrück zwischen Früher Neuzeit und Moderne vorgestellt. Die Veranstaltungen finden jeweils im Vortragssaal des Museumsquartiers statt. Der Eintritt ist frei!

Donnerstag, 29. Oktober 2026, 18.30 Uhr

**„Verfassungsfeinde bedrohen unsere Demokratie“

Der „Radikalenerlass“ in Niedersachsen und seine Umsetzung in Osnabrück 1972 bis 1990**

Wilfried Knauer, Hannover

Nach einer Empfehlung der Ministerpräsidenten der Länder und des Bundeskanzlers vom 28. Januar 1972 sollten alle Bewerberinnen und Bewerber sowie Beschäftigte des öffentlichen Dienstes auf ihre „Verfassungstreue“ überprüft werden. So wurden zwischen 1972 und 1990 allein in Niedersachsen auf Grundlage der auch „Radikalenerlass“ genannten Empfehlung über 175.000 Personen vom Verfassungsschutz überprüft. Als Folge dieser umfassenden Maßnahmen von Überwachung, Registrierung und Gesinnungsprüfung lehnten die Einstellungsbehörden über 141 Bewerbungen für den öffentlichen Dienst ab. Darüber hinaus wurden 62 Beamte und Angestellte wegen angeblich mangelnder Verfassungstreue entlassen.

Allein im damaligen Regierungsbezirk Osnabrück und ab 1978 dem Regierungsbezirk Weser-Ems betraf dies mindestens 91 Männer und Frauen, die meisten hatten sich um eine Lehrerstelle beworben. Gegen fünf schon im Dienst befindliche Personen wurden Überprüfungs- und Disziplinarverfahren eingeleitet, auch mit dem Ziel der Entlassung. Der Vortrag beleuchtet erstmalig anhand der Quellenüberlieferung im Niedersächsischen Landesarchiv detailliert diese regionalen Fälle.

Donnerstag, 19. November 2026, 18.30 Uhr

**1950 bis 2025 – 75 Jahre Emslandplan

Wie eine Region neu erfunden wurde**

Christof Spannhoff, Lingen

Als der Deutsche Bundestag am 5. Mai 1950 den Emslandplan einstimmig beschloss, galt das Emsland als „Armenhaus der Republik“. Moor- und Heidelandschaften, fehlende Verkehrswege, kaum Industrie und große Armut prägten die Region. Mit einem in der Bundesrepublik beispiellosen Förderprogramm sollte sich das ändern. Mehr als vier Jahrzehnte lang wurden Moore kultiviert, Straßen und Siedlungen gebaut, landwirtschaftliche Betriebe gefördert und die Voraussetzungen für die Ansiedlung neuer Unternehmen geschaffen.

Der Vortrag zeichnet die Entstehung und Umsetzung des Emslandplans nach und fragt nach seinen langfristigen Folgen. Er zeigt, wie aus einer strukturschwachen Randregion einer der dynamischsten Wirtschafts- und Lebensräume Nordwestdeutschlands wurde – und welche Spuren und Nachwirkungen dieses Jahrhundertprojekt bis heute hinterlassen hat.

Donnerstag, 14. Januar 2027, 18.30 Uhr

Die „Osnabrücker Mitteilungen 2026“ sind da!

Für viele Geschichtsbegeisterte gehört das Erscheinen des neuesten Bandes der „Osnabrücker Mitteilungen“ zu den ganz besonderen Höhepunkten im Jahresverlauf. Um die jüngsten Erkenntnisse zur historischen Forschung unserer Region nicht nur still für sich, sondern im lebendigen Austausch zu entdecken, lädt der Historische Verein herzlich zu einem gemeinschaftlichen Abend ein. Der frisch gedruckte 131. Band wird in feierlichem Rahmen präsentiert. Das Jahrbuch versammelt elf wissenschaftliche Aufsätze und fünfzehn Rezensionen. Das Spektrum reicht vom Mittelalter bis zur Zeitgeschichte. Freuen Sie sich auf eine abwechslungsreiche Geschichtsstunde, in der ausgewählte Beiträge kurz und anschaulich vorgestellt werden.

Im Anschluss wird zu einem gemütlichen Empfang eingeladen. Es besteht die Gelegenheit, bei einem Glas Wein oder Saft mit den Autorinnen und Autoren ins Gespräch zu kommen und den Abend in geselliger Runde ausklingen zu lassen.

Donnerstag, 18. Februar 2027, 18.30 Uhr

**10 Generationen und kein Ende

Familie Meyer und ihre Hirsch-Apotheke**

Dr. Dieter Veldtrup, Osnabrück

Konkurrenz kann das Geschäft beleben. Was aber tun, wenn die Geschäftslokale zu dicht beieinander liegen? Um 1620 trafen die Eigentümer der bis dahin einzigen Apotheken Osnabrücks, die beide in der dortigen Altstadt lagen, eine bemerkenswerte Absprache: Sie sah nicht nur eine Heiratsbeziehung zwischen den beiden Familien vor, sondern auch die Umsiedlung der einen Offizin zum Nikolaiort/Ecke Herrenteichsstraße.

Seitdem besteht dort am ehemals lukrativen Salzmarkt die Hirsch-Apotheke, die sich seit 1647 in der 10. Generation im Besitz einer einzigen Familie befindet und seit 294 Jahren in ununterbrochener Folge von deren Nachkommen aus der Familie Meyer betrieben wird. Damit dürfte sie in Deutschland einen Rekord aufstellen, der es wert ist, auch die Frühgeschichte der bereits seit 1554 in Osnabrück nachweisbaren Familie Meyer eingehender zu betrachten. Dieter Veldtrup bindet ihre Familiengeschichte in die Stadtgeschichte von Osnabrück ein und wirft Schlaglichter auch auf die medizinische Versorgung in Krisenzeiten wie der Pest.

Donnerstag, 25. Februar 2027, 18.30 Uhr

**Justus Möser als Aufklärer in Staatsdiensten

Reformprojekte im Fürstbistum Osnabrück in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts**

Dr. Kathleen Burrey, Osnabrück

Als ein der Aufklärung verpflichteter Staatsmann agierte Justus Möser (1720–1794) im Spannungsfeld zwischen Regierung, Landständen und Öffentlichkeit. Die Studie untersucht am Beispiel der Reformprojekte Mösers im Münzwesen, Leinenhandel und Bestattungswesen, wie er innerhalb dieses komplexen Beziehungsfeldes seine Handlungsspielräume nutzte, erweiterte und seine Projekte zu realisieren suchte. Auf diese Weise eröffnet die Arbeit neue Perspektiven auf das Verhältnis von Aufklärung und Politik allgemein, die anlässlich der Buchvorstellung der Justus-Möser-Gesellschaft als Sektion des Historischen Vereins exemplarisch vorgestellt werden.

Zur Einführung spricht Prof. Dr. Siegrid Westphal von der Universität Osnabrück.

Donnerstag, 18. März 2027, 18.30 Uhr

**Ein Bistum – zwei Konfessionen:

Katholiken und Lutheraner im Osnabrücker Land zwischen 1648 und 1802**

Dr. Tim Unger, Wiefelstede

Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 und der Immerwährenden Kapitulation von 1650 war die konfessionelle Landschaft im Hochstift Osnabrück festgeschrieben: Fortan gab es katholische, evangelische und bikonfessionelle Kirchspiele. Die freie Religionsausübung war insofern gegeben, als sich jeder Eingesessene auf den Stand des Jahres 1624 („Normaljahr“) berufen konnte. Auch das Bischofsamt wurde ‚bikonfessionell‘: Ein evangelischer Bischof folgte einem katholischen und umgekehrt.

Trotz der Immerwährenden Kapitulation prägten konfessionelle Konflikte das Hochstift bis 1802. Diese beeinflussten sowohl den Alltag vor Ort – wie Kindererziehung und Feiertage – als auch die Stiftspolitik und die Machtbalance der Landtagsstände. Der Vortrag geht der Frage nach, ob man das Miteinander der Konfessionen im Hochstift als „Gemeinschaft in kirchlichen Dingen“ (Hermann Hoberg), gewissermaßen als protoökumenisches Modell, oder als Geschichte ständiger Streitigkeiten interpretieren kann.

Donnerstag, 15. April 2027, 18.30 Uhr

**Ein Leben zwischen Grün und Braun

Der Gartenarchitekt und Hochschullehrer Heinrich Friedrich Wiepking**

Ursula Kellner, Hannover

Der Nachlass Heinrich Friedrich Wiepkings (1891–1973) gehört seit 1977 zum Bestand des Niedersächsischen Landesarchivs Osnabrück. Ergänzt durch weitere Quellen, ermöglicht er, sich dem Leben des Gartenarchitekten, Landschaftsgestalters und Hochschullehrers zu nähern – es zu re-konstruieren.

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs war Osnabrück Lebensmittelpunkt der Familie. Trotz seiner Mitarbeit im Planungsapparat Himmlers wurde Wiepking vom Hauptausschuss Osnabrück entnazifiziert und begann, seine Karriere übergangslos bis in die Landesregierung hinein fortzusetzen. Seinem Engagement hat Osnabrück die Höhere Gartenbauschule, heute Teil der Hochschule Osnabrück, zu verdanken.

Die sogenannte 68er-Generation richtete den Fokus auf Wiepkings Mitwirken in der NS-Zeit. Die Diskussionen gerieten zur Schwarz-Weiß- oder besser Braun-Grün-Malerei. Die Forschung zu Wiepking zeigt aber, dass die Wirklichkeit vielschichtiger ist; wie dünn die Linie zwischen Grün und Braun ist und wie leicht sich Grenzen verschieben.

Quelle: Tourismusgesellschaft Osnabrücker Land mbH. Lizenz des Veranstaltungstextes. Formatierung und Terminübersicht für diese Darstellung angepasst; Lizenz gilt auch für diese Anpassungen.

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