Shida Bazyar erhält den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2026 für „Die Lücken“
Die Jury würdigt den Roman mit Blick auf ein Panorama deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts, Verstrickungen in Holocaust-Verbrechen und die Normalisierung von Antisemitismus
Die Schriftstellerin Shida Bazyar erhält den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2026. Der vom Deutschlandfunk und der Stadt Braunschweig gestiftete und mit 30.000 Euro dotierte Preis wird für ihren Roman „Die Lücken“ verliehen, der 2026 im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.
Jury würdigt Roman über deutsche Geschichte und Erinnerungskultur
In ihrer Begründung hebt die Jury hervor, dass Bazyar in „Die Lücken“ ein Panorama deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts entfalte. Der Roman verorte sich in einer fiktiven, der Wirklichkeit verwandten Ortschaft im Hunsrück und thematisiere individuelle Verstrickungen in die Verbrechen des Holocausts sowie eine schleichende Normalisierung von Antisemitismus, Entrechtung und Ausgrenzung. Die Jury betont außerdem die Darstellung von Umdeutungen und Relativierungen der eigenen und der politischen Geschichte sowie einer Erinnerungskultur, die erst von den Opfern selbst eingefordert werden müsse. Auch die sprachliche Präzision, die Recherche und die Romankomposition werden ausdrücklich gelobt.
Preisverleihung im November
Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum und Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue überreichen den Preis am Samstag, 7. November, um 15.30 Uhr im Rahmen eines Festaktes im Kleinen Haus des Braunschweiger Staatstheaters.
Die Preisverleihung wird vom Digitalkanal Deutschlandfunk Dokumente und Debatten am Samstag, 7. November, um 15.30 Uhr live im Radio und im Netz übertragen. Eine Aufzeichnung ist am 28. November ab 20.05 Uhr im Deutschlandfunk zu hören.
Jury und Auszeichnung
Die Jury des Wilhelm Raabe-Literaturpreises setzt sich in diesem Jahr aus Maja Beckers, Prof. Dr. h. c. Gerd Biegel, Dr. Maha El Hissy, Dr. Hanna Engelmeier, Dr. Daniel Graf, Prof. Dr. Anja Hesse, Prof. Dr. Julia Schöll, Dr. Jan Wiele und Dr. Wiebke Porombka zusammen. Sprecherin der Jury ist Dr. Wiebke Porombka.
Mit dem Preis zeichnen die Stadt Braunschweig und der Deutschlandfunk jährlich ein in deutscher Sprache verfasstes erzählerisches Werk aus. Gewürdigt werden soll das bis zum Zeitpunkt der Preisverleihung publizierte literarische Schaffen; ein aktuelles Buch der Preisträgerin oder des Preisträgers muss im laufenden Kalenderjahr der jeweiligen Vergabe erschienen sein.
Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern gehören unter anderem Rainald Goetz, Jochen Missfeldt, Ralf Rothmann, Wolf Haas, Katja Lange-Müller, Andreas Maier, Sibylle Lewitscharoff, Christian Kracht, Marion Poschmann, Thomas Hettche, Clemens J. Setz, Heinz Strunk, Petra Morsbach, Judith Schalansky, Norbert Scheuer, Christine Wunnicke, Gert Loschütz, Jan Faktor, Judith Hermann, Saša Stanišić und Jonas Lüscher.
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