Angehörige der Familie Kreuzer besuchen Wunstorf

Angehörige der Familie Kreuzer besuchten Wunstorf und gedachten ihrer Verfolgungsgeschichte. Ein Herder-Liederbuch, das Else Kreuzer gewidmet war, wurde zurückgegeben.

Von Wunstorfs Redaktion2 Min. Lesezeit
Stadtbibliothek

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Angehörige der jüdischen Familie Kreuzer haben Wunstorf besucht. Atalia Shafir, die Tochter von Hans Joachim Kreuzer, kam am 9. Oktober mit ihrem Lebensgefährten, ihrer Tante Gerda Steinfeld, deren Sohn und zwei Verwandten aus Deutschlandexterner Link, öffnet ein neues Fenster in die Stadt. Die Familie Kreuzer hatte von 1921 bis 1939 in der Südstraße 32 gelebt.

Hans Joachim Kreuzer war der einzige Überlebende der Familie. Er floh 1939 nach Palästina. Seine Eltern Bernhard und Else sowie sein jüngerer Bruder Klaus wurden im Holocaust ermordet. Bernhard Kreuzer hatte in der Südstraße ein Textilkaufhaus betrieben.

Reise wegen gestrichener Flüge verschoben

Anlass für die Reise war auch die Rückgabe eines Liederbuchs von Herder, das Else Kreuzer gewidmet war. Silke Bremer, Provenienzforscherin an der Stadtbibliothek Hannover, hatte das Buch in deren Beständen entdeckt. Die erbberechtigten Angehörigen sollten es bereits im April 2026 zurückerhalten. Wegen des Iran-Kriegs und gestrichener Flüge wurde die Reise verschoben. Am 8. Oktober übergab Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay das Buch an die Familie.

Einen Tag später besuchten die Angehörigen Wunstorf, das Hans Joachim Kreuzer bereits 1992 besucht hatte. Sie gingen zum früheren Wohnhaus der Familie in der Südstraße 32 und erneut zum Mahnmal an der Abtei. Danach fand ein Mittagessen mit Gesprächen im Ratssaal statt. Die Gäste wurden unter anderem von der stellvertretenden Bürgermeisterin Kirsten Riedel, Ratsvorsitzendem Rolf Herrmann, Stadtarchivar Klaus Fesche und dem Historiker Heiner Wittrock begleitet. Silke Bremer war ebenfalls dabei.

Erinnerungen an Verfolgung und Deportation

Atalia Shafir erinnerte in ihrer Dankesrede an ihren Vater, der sich in Israel Jair nannte. Sie beschrieb ihn als optimistischen und fürsorglichen Familienvater. Gerda Steinfeld berichtete von ihrer Kindheit vor dem Zweiten Weltkrieg und ihrer Haft im Konzentrationslager Theresienstadt. Sie schilderte auch, wie ihr Cousin Klaus Kreuzer die Verhaftung seines Vaters in der Reichspogromnacht und den Verlust der elterlichen Wohnung erlebte.

Steinfeld berichtete, dass Klaus’ Mutter nach der Rückkehr Bernhard Kreuzers aus dem KZ Buchenwald einen Zusammenbruch erlitt. Bernhard sei nach der Haft als geschundener und gedemütigter Mann zurückgekehrt. Kurz darauf zog die Familie von Wunstorf nach Hannover um. Im Dezember 1941 wurde sie von Ahlem aus nach Riga deportiert; Klaus und seine Eltern wurden später ermordet. Steinfelds verstorbene Schwester Margot Kleinberger schilderte ihre Jugend und die Haft in Theresienstadt in dem Buch „Transportnummer VIII/1387 hat überlebt“.

Als Geschenke überreichte die Stadt ein Buch von Heiner Wittrock über das Schicksal der Wunstorfer Juden, den Kalender des Heimatvereins für 2027 mit historischen Fotos sowie ein Faltblatt des Stadtarchivs zur Familie Kreuzer.

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